Geräuschentwicklung der Lüftungsanlage

Donnerstag, 26 Oktober, 2017 - 00:00

Geräuschentwicklung der Lüftungsanlage

Wir hatten große Probleme mit der Geräuschentwicklung unserer Helios-Lüftungsanlage, erstmals reklamiert bei der Endabnahme am 21.04.2017. Mit der Installationsfirma Gangluff sind wir im Bereich Lüftungsanlagen nicht ganz zufrieden. Schalldämpfer wurden zu kurz geplant. Einschubschalldämpfer wurden falsch eingebaut. Zentrale KWLs scheinen nicht zu den Spezialgebieten von Gangluff zu gehören. 

 

Nach 6 Monaten der Nachbesserung konnte mit verschiedensten Maßnahmen erreicht werden, dass der Lautstärkepegel in allen Räumen unter den von der DIN 4109 geforderten 35 dB_A liegt (im lautesten Raum sind es jetzt 33 dB_A), womit Gemünden sein vertragliches Soll erbracht hat (gemessen wird immer in einem Meter Abstand von der Lärmquelle).

 

 100 % zufrieden sind wir mit der Geräuschentwicklung der Anlage zwar immer noch nicht, aber zumindest konnte der Zustand durch die Nacharbeiten deutlich verbessert werden. Ich konnte mich mit 15 anderen Bauherren unterhalten, die auch eine Helios KWL haben. Alle berichteten, dass in der normalen Stufe gar nichts von der Anlage zu hören ist. Leider konnte ich keinen anderen Bauherren sprechen, der auch mal mit einem Schalldruckmessgerät die Lautstärke in den Zimmern gemessen hat. 

 

 Der Sommer-Bypass in Kombination mit einem Pollenfilter (auch im Sommer fliegen Pollen) bleibt aufgrund der Lautstärkeentwicklung weiterhin nur eingeschränkt benutzbar (s.u.). Weiterempfehlen würden wir daher die Helios-KWL nicht unbedingt. 

 

Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe:  Beim ersten Ortstermin mit Vertretern vom Hersteller Helios waren sich alle einig, dass die Anlage im Keller ungewöhnlich laut ist, lauter als Helios-Anlagen sonst sind. Das Ganze bestätigte sich durch eine Messung mit einem professionellen Schalldruckmessgerät.

 

In der ursprünglichen Einstellung (Voltzahl für 190 m^3/h laut Kurve aus Diagramm) gibt die Anlage 56 dB_A ab, in der neuen reduzierten noch 53 dB_A. Die Herstellerangabe bei 200 m^3/h liegt bei 41 dB_A, also 12 dB_A unter dem Wert in der reduzierten Einstellung. Da ein Lautstärkeanstieg um 6 dB_A vom Menschen als Verdopplung der Lautstärke empfunden wird, lässt sich also sagen, dass die Anlage in der reduzierten Einstellung 4x so laut wie im Katalog angegeben ist. 
 

Später wurde allerdings gesagt, das wäre alles normal, 41 dB_A wäre nur ein Laborwert, in der Praxis könnten höhere Werte auftreten. Mir ist klar, dass Laborwerte und Praxiswerte differieren können, aber 4x so laut darf meiner Meinung nach nicht sein, das hört sich für mich wie VW-Abgaswerte an.

 Verlauf der Problematik bisher:

(1) Verdreckte Filter
Verdreckte Filter haben einen großen Einfluss, weil die Anlage die Drehzahl hoch regelt, um trotz verstopfter Filter den Volumenstrom aufrechtzuerhalten. Das betriftt sowohl die Filter im Gerät im Keller, als auch die Filter in den Ansaugöffnungen in den Ablufträumen wie Küche, Bad, etc. Besonders in einenm Neubaugebiet mit Baustellenschmutz ist dies ein großes Thema.

(2) Zusätzliche Schalldämpfer
Abhilfemaßnahmen in Form von zusätzlichen Einschubschalldämpfern (SVE=Schalldämm-Volumen-Elementen bzw. ETS=Einschub-Telefonie-Schalldämpfer) in einzelnen Räumen haben nur sehr geringe Verbesserung (ca. 1 dB_A) gebracht. Nachträglich eingebrachte Schalldämpfer verringern den Querschnitt. Um die durch den kleineren Querschnitt entstandenen Reduzierung des Volumenstroms zu kompensieren, dreht die Volumenstromsteuerung der KWL die Drehzahl hoch, was die Lautstärke der KWL wieder erhöht. 

Laut telefonischer Auskunft von Helios sind die SVE vorwiegend zur Volumenstromreduzierung gedacht, die ETS vorwiegend zur Vermeidung von Telefonieschall von einem Raum zum  anderen Raum bei nicht sternförmig verlegten Lüftungsanlagen. Die wesentliche Aufgabe der Schalldämmung der Motorgeräusche muss von den Schalldämpfern zwischen KWL und Verteiler realisiert werden.

(3) Länge des Schalldämpfers im Keller
Helios empfiehlt für die an die KWL angeschlossenen Schalldämpfer (Flexible Telefonie-Schalldämpfer bzw. Flexible Rohrschalldämpfer) eine Länge von 100 cm. In unserem Haus wurden zunächst ein Schalldämpfer der Länge 75 cm eingeplant, verbaut wurde letztendlich aber - wie ich zufällig entdeckt habe - nur ein Schalldämpfer der Länge 42 cm, also weniger als die Hälfte der Empfehlung von Helios. Mittlerweile wurde das Gerät neu montiert mit einem Schalldämpfer der vorgeschriebenen Länge. Die Geräuschentwicklung in den Räumen wurde dadurch merklich reduziert (3-4 dB_A).

Alte Montage (60 cm Schalldämpfer, auf 42 cm zusammengedrückt):

Neue Montage (weiter unten und weiter rechts) mit S-förmig gebogenen Schalldämpfern (100 cm):

Als Nachteil haben wir nun, dass der Kondensatablauf dann über einen kleine, 10 cm hohe 10-Liter-Plastikwanne, wie gelegentlich zu leeren wäre, geschehen muss. Es gibt wohl aber auch spezielle flache Kondensatpumpen, die auch in der tieferen Montage noch unter die KWL passen würden.

(4) Zusätzlicher Schalldämpfer für das lauteste Zimmer
Glücklicherweise verlief die Leitung zum lautesten Zimmer offen und es konnte für diese Leitung ein zusätzlicher Schalldämpfer eingebaut werden, was für diesen Raum eine enorme Verbesserung (5-6 dB_A) brachte.

(5) Bypass
Es war bei uns mehrfach aufgetreten, dass die Lüftungsgeräusche für mehrere Stunden nochmals deutlich erhöht waren, so dass in den betroffenen Räumen der Grenzwert von 35 dB_A nicht nur um einige dB_A überschritten war, sondern mit ca 45 dB_A deutlich überschritten. Ich konnte beobachten, dass in diesen Zeiträumen der Bypass geöffnet war. Als die Geräusche nach einiger Zeit wieder auf das normale Level zurückgingen, konnte ich beobachten, dass der Bypass nun wieder geschlossen war. Weiterhin konnte ich feststellen, dass in der Zeit, in der Bypass geöffnet war, sich die Drehzahl der Zuluft nahezu verdoppelt hat auf einen Wert von ca. 3200 Umdrehungen pro Minute. Es stellte sich heraus, dass bei unserem Modell der Bypassfilter einen so kleinen Querschnitt hat, dass bei Verwendung eines Pollenfilters der Widerstand so anwächst, dass die Anlage die Drehzahl verdoppeln muss, um den Volumenstrom aufrecht zu erhalten.

Der Bypass-Modus ist eine Betriebsweise im Sommer bzw. bei aufgeheiztem Haus, bei dem ähnlich zum nächtlichen Fenster-Öffnen die kühle Nachtluft in das Haus geleitet werden kann, ohne die Wärme der Abluft aufzunehmen. Diese Funktion war uns von Anfang an wichtig, weswegen wir uns letztlich für eine Lüftungsanlage der Marke Helios entschieden haben. Letzten Endes ist der Bypass nur mit einem herkömlichen Filter verwendbar, die Kombination aus Bypass und Pollenfilter ist nicht ohne große Geräuschbelästigung verwendbar. Ein deutlicher Nachteil unseres Helios-Modells.

Mit einer Reihe von Maßnahmen (Verzicht auf einen Pollenfilter im Bypass, Verlängerung des Schalldämpfers von 42 cm auf 100 cm, Extra-Schalldämpfer für die Leitung ins lauteste Zimmer, Schalldämm-Volumen-Elemente (SVE) in zwei Zimmern, Runterregeln der Anlage) konnte die Lautstärkesituation schließlich deutlich verbessert werden.

Mir bleibt allerdings immer noch der Verdacht, dass diese ganzen Maßnahmen nur nötig gewesen waren, weil die Lautstärkeentwicklung der Anlage im Keller bereits 12 dB_A (=4x so laut) über der Herstellerangabe liegt, was mich schon etwas verwundert und was ja beim ersten Ortstermin auch eingeräumt wurde, dass die Anlage deutlich lauter ist als andere Anlagen.

 

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