Die Lüftungsanlage (Helios KWL) in der Praxis

Mittwoch, 3 Mai, 2017 - 13:54

Die Lüftungsanlage (Helios KWL) in der Praxis

Wir sind sehr froh, dass wir eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) eingeplant haben. Neben den Vorteilen, dass man keine Angst vor Schimmel mehr zu haben braucht und das ständige Lüften-Müssen entfällt, ist die Luftqualität auch echt toll. Als wir die Lüftungsanlage mal aus technischen Gründen 2 Tage aus hatten, merkte man erst, wie schnell die Luft schlecht wird.

Nun noch einige Anmerkungen zur Einstellung einer KWL.

Die Lüftung erfüllt zwei Aufgaben:

(1) Frischluftversorgung

Verbrauchte CO₂-reiche Luft wird ersetzt durch frische CO₂-arme Luft. Wenn ein CO₂-Wert von 0,1% (bzw. 1000 ppm) in der Raumluft erreicht ist, gilt die Raumluft als „verbraucht“. Diese Grenze wird als Pettenkofer-Wert bezeichnet. Seine Einhaltung ist das grundsätzliche Gebot der Raumlufthygiene. Laut Umweltbundesamt wird davon ausgegangen, dass dieser Wert bei einem Luftstrom von 36 m^3/h Frischluft pro Person eingehalten werden kann. (Der CO₂-Gehalt allein macht die Luftverderbnis nicht aus, man benutzt ihn lediglich als Maßstab, wonach auch auf einen größeren oder geringeren Gehalt an anderen Stoffen geschlossen werden kann, welche sich zur Menge der ausgeschiedenen Kohlensäure proportional verhalten.)

(2) Feuchteregulierung

In einem 4-Personen-Hausalt können an einem Tag ca. 10 bis 15 Liter Wasser in Form von Wasserdampf an die Raumluft abgegeben werden. (bosy-online.de) Um Schimmel zu vermeiden, sollte die feuchte Luft durch trockene Frischluft ersetzt werden, um z.B. Schimmelschäden zu vermeiden. Entscheidend für Schimmelbildung ist nicht nur die relative Luftfeuchtigkeit, sondern auch der Temperaturunterschied zwischen Luft und Zimmerwand. Im ungedämmten Altbau ist die Wand oft 5 Grad kühler als die Raumluft und es besteht ab 60 % Luftfeuchtigkeit Schimmelgefahr, im Neubau ist der Temperaturunterschied oft nur ein Grad und es besteht erst ab 75 % Schimmelgefahr. (Schimmelrechner)

Zu viel Entfeuchtung ist aber auch nicht gut, zu trockene Luft verursacht eine erhöhte Gefahr für Infektionen der Atemwege, Augen- und Hautprobleme. Empfehlungen fordern als Untergrenze Werte zwischen 30-40 %.

Ideal ist also ein Bereich von 40-60 % relativer Luftfeuchtigkeit.

Im Winter ist die zur Entfeuchtung nötige Luftmenge relativ klein, da die kalte Außenluft kaum Feuchtigkeit enthält. Es besteht eher die Gefahr, dass durch zu viel Lüften die Luftfeuchtigkeit zu gering wird.

Ein kleines Rechenbeispiel dazu: 23 Grad warme Luft kann 5 x so viel Feuchtigkeit aufnehmen wie -3 Grad kalte Luft. Erwärmt man -3 Grad kalte Luft mit 80 % relativer Luftfeuchtigkeit auf 23 Grad, liegt die relative Luftfeuchtigkeit nur noch bei 15 %.

Wir hatten bei schlecht bzw. zu hoch eingestellter Lüftung im Winter teilweise sehr trockene Luft (bis runter auf 25 % Luftfeuchtigkeit). Abhilfe sollen nun zwei Maßnahmen schaffen: Erstens, die Lüftung auf kleinere Stufen programmieren, und zweitens ein Luftbefeuchtungsgerät (Philips HU4813/10).

Daraufhin haben wir uns vom Installateur die PINs für die KWL geben lassen, sodass wir jetzt selbst nachregeln können.

Das Ganze muss leider balanciert werden mit der Lautstärkeentwicklung, zumindest unsere Anlage ist deutlich hörbar, vor allem, wenn sie auf höherer Stufe läuft (siehe hier). Das ist gerade nachts ein Problem, wenn die Umgebungslautstärke runtergefahren ist und man die Lüftungsgeräusche deutlicher wahrnimmt. Leider empfinden wir es gerade nachts als wichtig, dass gut gelüftet wird, damit im Schlafzimmer im Laufe der Nacht kein Mief entsteht.

Zur Einstellung einer KWL finden sich verschiedene Ansätze. Gut beschrieben ist das auf raumluft.org.

Für unser Haus konnten wir folgendes Diagramm von komfortlueftung.at ausfüllen.

Anmerkung: Unsere Helios-KWL schafft die von raumluft.org geforderten maximalen Schalldruckpegel nicht (siehe hier).

Probleme mit zu hoher Luftfeuchtigkeit haben wir in unserem Haus eigentlich nie, wir haben im Winter eher Probleme mit zu wenig Luftfeuchtigkeit. Daher interessiert uns eher das CO2-Kriterium für Luftqualität (Pettenkofer-Wert, siehe oben).

Wir haben uns daher jetzt  folgende Strategie überlegt:

Winter:
Um die Lautstärke möglichst gering zu halten und die Luftfeuchtigkeit im Winter möglichst nicht absinken zu lassen, wird die Stufe 2 der Lüftung möglichst klein eingestellt, sodass die Luftqualität noch gewährleistet ist. (Als Startwert mögen die 144 m^3/h dienen.) Leider haben wir kein CO2-Messgerät, aber als Gradmesser mag dienen, dass morgens die Luft im Schlafzimmer noch akzeptabel ist. Wir haben dadurch nachts den geringstmöglichen Geräuschpegel. Falls die Luftfeuchtigkeit im Rahmen bleibt, läuft die Anlage im Winter durchgehend auf Stufe 2. Falls die Luftfeuchtigkeit dauerhaft unter 40 % absinken sollte, wird die Anlage tagsüber - zumindest in den Zeiten, wo niemand zu Hause ist - auf Stufe 1 gestellt.

Übergangszeit und im Sommer:
Nachts bleibt die Stufe 2 der beste Kompromiss zwischen Lautstärke und Lüftung. Falls die Luftfeuchtigkeit im Rahmen bleibt, läuft die Anlage im durchgehend auf Stufe 2. Falls die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 50 % ansteigen sollte, wird die Anlage tagsüber - zumindest in den Zeiten, wo niemand zu Hause ist - auf Stufe 3 gestellt.

Stufe 4 wird bei Bedarf kurzzeitig aktiviert, wenn gekocht oder geduscht wird, Mief auf der Toilettte herrscht oder sich viele Leute gleichzeitig im Haus aufhalten (Partybetrieb).

Mal sehen, ob die Regelung so gelingt.

Weitere Infos zur Planung unseres Heizungs- und Lüftungskonzepts finden sich hier.

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